#16 Von Beziehungen

Ihr Lieben,
 
wieder einmal geht ein Jahr zu Ende. Vielleicht schaut ihr mit einem lachenden und einem weinenden Auge darauf zurück oder auch mit zweien derselben Art. So oder so dürfen wir alle das Jahr jetzt ausklingen lassen, es gehen lassen, es gut sein lassen.
 
Vor einiger Zeit bin ich in einem Buch von Daniel J. Siegel über einen Satz gestolpert: „Achtsamkeit ist eine Form der gesunden Beziehung zu sich selbst.“ Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich den Satz las. Da war so ein Aufmerken in mir, eine unmittelbare Resonanz, eine vage Intuition von Relevanz, von „das ist bedeutsam“. Seither taucht der Satz immer wieder in mir auf, bewegt sich in mir, beschäftigt mich. Welche Beziehung habe ich eigentlich zu mir selbst? Habe ich überhaupt eine? Und wenn ja, inwiefern kann sie gesund sein?
 
In einer Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen verstehen wir eine „gesunde Beziehung“ vermutlich irgendwo entlang dieser Linien: Zugewandtheit, Vertrauen, Offenheit, Akzeptanz, Respekt, Freiraum, Mitgefühl, Humor. Qualitäten, die wir der oder dem anderen entgegenbringen können. Qualitäten, die die Beziehung nähren und stärken und die zugleich immer wieder aus ihr erwachsen. Qualitäten, die es erlauben, dass wir einander sein lassen und trotzdem oder gerade drum einander wirklich begegnen.
 
Ich finde das eine schöne Idee: dass ich eine Beziehung zu mir selbst haben kann und darf – und dass diese Beziehung heil sein kann und darf. Tatsächlich öffnet die Achtsamkeit genau diesen Raum des Mit-mir-heil-Seins. Auch wenn es doch oft erstmal eine Erfahrung von Unzulänglichkeit und Verletzbarkeit ist, die wir in der Praxis der Meditation machen, von „es soll anders sein“ und „ich soll anders sein“. Ich wage zu postulieren, dass uns das allen ein Stück weit so geht, sobald wir uns auf diese Praxis wirklich einlassen. Mir auch. Jeden Tag. Das ist menschlich. Und in dem Moment, wo ich meiner Unzulänglichkeit und Verletzbarkeit erlaube da zu sein – sie wirklich sehe und annehme, ohne Wenn und Aber – in dem Moment begegne ich mir selbst auf Augenhöhe, trete ich in Beziehung zu mir selber.
 
Ich verstehe die Idee einer gesunden Beziehung zu mir selbst als Einladung, mir selber mit den genannten Qualitäten zu begegnen: Bin ich mir selbst zugewandt – sehe ich mich, habe ich ein fürsorgliches Interesse für mich? Vertraue ich mir selbst – meinen Fähigkeiten, meiner Intuition, meinen Entscheidungen? Akzeptiere ich mich – so wie ich bin in diesem Moment, mit meiner Wut, meiner Gier, meiner Scham, mit meinen Ängsten und Ambivalenzen? Respektiere ich mich – mit meinen Bedürfnissen und Grenzen? Gebe ich mir Freiraum – mich zu bewegen und zu entwickeln, mich auch immer wieder neu zu entscheiden? Bin ich mitfühlend mir selbst gegenüber – in all den großen und kleinen Momenten, in denen ich es schwer habe? Und kann ich mir bei aller Schwere auch mal mit Humor begegnen und mir ein freundliches Augenzwinkern schenken? 

Natürlich ist das Arbeit, die Beziehung zu pflegen – jeden Tag. Das ist in der Beziehung zu mir selbst nicht anders als in der zwischen zwei Menschen. „Befriend yourself,“ lädt uns Jon Kabat-Zinn ein – schließe Freundschaft mit dir selbst. Vielleicht habt ihr ja Lust, gleich jetzt damit anzufangen. Oder am Sonntag 21.12. – denn da ist World Meditation Day, mit vielen Angeboten auch von MBSR-Lehrenden, die meisten davon online.
 
Zu guter Letzt und in aller Kürze hier noch die Ankündigungen für die kommenden Monate, falls ihr Lust auf die einen oder anderen Impulse und Begegnungen habt:

  • Im Januar sind Nela und ich mit unserem MBSR-Seminar in der Uckermark und es gibt noch einen letzten freien Platz dafür (anerkannt als Bildungszeit in Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz).
  • Im Februar starten meine nächsten beiden MBSR-8-Wochen-Kurse in Berlin, einer montags in Mitte und der andere dienstags in Neukölln.
  • Im April (ab Ostersonntag) biete ich wieder meine Fastenwoche in Wiek auf Rügen an – und dann sogar nochmal im Mai (ab Pfingstsonntag).
  • Und im Juni sind Nela und ich mit unserem neu entwickelten Seminar „Achtsam Gesund“ am Rosenwaldhof (anerkannt als Bildungszeit in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).

Diese und weitere Termine fürs kommende Jahr und alle Infos findet ihr wie immer auf meiner Website.
 
Für jetzt wünsche ich euch, dass ihr euch in Frieden vom alten Jahr verabschieden und das neue mit Zuversicht und Neugier, ja vielleicht sogar mit einer Portion Vorfreude begrüßen könnt. Denn, in Anlehnung an eine alte Fußballweisheit: Nach dem Jahr ist vor dem Jahr!
 
Liebe Grüße zu euch in dieser Zwischenzeit,
Suse (Susanne)