#18 Kostbare Gegenwart

Ihr Lieben,

nach drei Monaten intensiver Seminarphase bin ich nun auch im Sommer angekommen. Für viele von uns ist das wohl eine Zeit, in der wir vom Tun wieder mehr ins Sein kommen, vom zielgerichteten Modus des Erfüllens und Erledigens zurück in diesen freieren Modus von Da-Sein und Raum-Geben. Und tatsächlich entstehen bei mir immer nur in diesen freieren Phasen meine Gedanken an euch (die ich übrigens – darauf lege ich Wert – immer noch Wort für Wort selbst schreibe). Weiter unten folgen dann wie immer noch die Infos zu Terminen.

Es gibt in meinem Leben eine kleine Wegstrecke durchs Dorf, die ich mehrmals täglich zurücklege, wenn ich für einen Kurs in Flecken Zechlin bin. Sie führt von meiner Wohnung durch den verwilderten Garten, durchs quietschende Gartentörchen, dann über eine kleine Kreuzung, ein paar Backsteinstufen hinauf, nochmal über die Straße, an der Kirche vorbei und schließlich durch das schwedenrote Holztor des Fastenhofs oder eben umgekehrt – eine Strecke von knapp 100 Metern. Nicht selten passiert es, dass ich diese Strecke in einem Modus der Eile zurücklege: weil ich schnell etwas holen oder bringen möchte, weil ich eine Verabredung habe, weil ich hungrig oder müde bin oder was es sonst so an Gründen gibt, aus denen ich mich ganz ohne Not so ein ganz kleines bisschen hetze.

Neulich war ich wieder in diesem leicht gehetzten Modus auf den besagten Metern unterwegs. Und mit einem Mal – ich weiß noch, dass es auf den Backsteinstufen war – wurde mir nicht nur mein Eilen wirklich bewusst, sondern auch die Tatsache, dass ich damit nur unwesentlich Zeit „gewinne“ (vielleicht 10 Sekunden auf die 100 Meter?), zugleich aber ganz wesentlich an Lebensqualität in genau diesem Moment verliere. Denn in diesem mir nicht ganz untypischen Modus hat mein Inneres den latenten Geschmack von Hektik, von Getriebensein, von Bitteschön-längst-woanders-sein-Wollen, von „dieser Augenblick ist es nicht wert, gelebt zu werden, ich will so schnell wie möglich im nächsten sein“. 

Aber lebe ich denn nicht auch in diesem Moment, in dem ich dieses Stück Weg zurücklege? Das Leben macht ja nicht Pause und setzt später wieder ein, wenn ich angekommen bin. Leben geschieht immer, an jedem Tag, in jeder Stunde, in jeder Zeitspanne, und sei sie auch noch so kurz, vielleicht nur einmal blinzeln … in jedem Augenblick eben. Ralf Hanke sagt: „Es geht nur um diesen Augenblick. Es geht immer nur um diesen Augenblick einfacher Gegenwart. Er ist alles, was wir haben.“ 

Seit dem Erlebnis auf den Backsteinstufen taucht auf den Wegen durch meinen Alltag neuerdings hier und da die Frage in mir auf: Wie möchte ich leben? Im Sinne von: Wie möchte ich mein Leben von Augenblick zu Augenblick erleben? Muss ich gerade so getrieben sein oder könnte ich mir etwas Gelassenheit erlauben? Muss ich gerade so angespannt sein oder könnte ich ein bisschen loslassen? In welchem Modus bin ich gerade unterwegs und ist das angemessen, ist es hilfreich? Welche Tonalität, welchen Geschmack möchte ich meiner Begegnung mit dem Leben in diesem Moment geben? 

Inzwischen schmunzle ich, wenn ich mich auf den diversen Strecken meines Alltags – zu Fuß oder auf dem Rad, mitten durchs Dorf, quer durch Berlin oder auch nur einen Flur entlang – wieder einmal in diesem Eilmodus ertappe. Dann erinnere ich mich daran: Leben ist jetzt! , schalte innerlich einen Gang zurück … und bemerke, wie der Augenblick sich ganz von allein wieder mit wunderbarem Leben füllt. Vielleicht ist es das, was Rani Kaluza meint, wenn sie schreibt: „Es geht nicht darum, wie du in die Gegenwart hineinkommst. Es geht darum, wie du dich so öffnen kannst, dass die Gegenwart in dich hineinkommen kann.“

Und hier noch die Ankündigungen für nach dem Sommer:

  • Vom 30.8.-4.9. bieten Nela und ich zum nunmehr zwölften Mal unser MBSR-Seminar an, mal wieder am Rosenwaldhof und es gibt noch vier freie Plätze. (Übrigens ist unser Seminar nicht nur in Berlin und Brandenburg als Bildungszeit anerkannt, sondern neuerdings auch in Hamburg!) 
  • Am 22. September startet mein nächster MBSR-8-Wochen-Kurs, dienstagabends in Berlin Neukölln. Auch dafür gibt es noch Plätze.
  •        Meine Fastenwochen am Fastenhof Behm im Oktober und im Dezember (letztere mit Wandern in Stille) sind beide fast voll, aber wer sich noch dazugesellen möchte, könnte das jetzt noch tun. (Übrigens ist der Fastenhof inzwischen auch in Baden-Württemberg und NRW als Bildungseinrichtung anerkannt, das heißt Bildungsurlaub auch für diejenigen von euch, die dort arbeiten.)
  •       Am 8. November biete ich wieder einen großen Tag der Achtsamkeit an, dieses Mal in „meinem zweiten Zuhause“, dem Aikido Dojo am Gleisdreieck in Berlin Kreuzberg. Drei Plätze sind noch frei.
  •       Und dann kommen im neuen Jahr gleich drei Herzensprojekte von mir ins Leben: ab Januar eine MBSR-Jahresgruppe in Berlin Mitte (für alle, die bereits einen 8-Wochen-Kurs gemacht haben), im März eine Woche Aikido & Fasten gemeinsam mit meinem Lehrer Max Eriksson Ohlwein (sorry, nur für aktive Aikidokas) und – dies erstmal nur als kleiner Teaser, die Details sind noch in Arbeit – im August ein Achtsamkeitsretreat gemeinsam mit Nela am wunderbaren Seminarhaus Taubenblau in der Uckermark. Wow, ich freue mich riesig auf diese drei neuen Formate!

Über meine Terminübersicht findet ihr zu den jeweiligen Infos. 

Nun wünsche ich euch von Herzen einen lauen, launigen, lauschigen Sommer. Und vielleicht kann hin und wieder die Gegenwart in euch hineinkommen … denn jeder Augenblick ist kostbar.

Sommergrüße von der Spree,
Suse