Ihr Lieben,
der wilde Wein, der um unsere Haustür herum wächst, trägt die ersten roten Blätter. Kaum merklich hat es begonnen und plötzlich ist es nicht mehr zu übersehen: Der Herbst kommt.
Mit dem Wechsel der Jahreszeiten gehen wir doch auch immer wieder in eine neue Lebensphase im Jahresverlauf über – so erlebe ich das zumindest. Das selbstbewusste Strahlen des Sommers weicht einer bescheideneren Atmosphäre, das Licht und die Farben werden weicher, die Luft wird kühler und klarer. Und auch mein Gemüt bekommt in dieser Jahreszeit eine andere Färbung, wird etwas sanfter und feiner, aber auch empfindsamer und zuweilen melancholischer im schwindenden Licht der kürzer werdenden Tage. Ich persönlich habe inzwischen gelernt, mich in dieser Zeit des Jahres ganz bewusst mit Licht zu versorgen: Ich koste die letzten warmen Sonnenstrahlen aus, wo immer ich sie finde … und an trüben Tagen hilft mir meine Tageslichtlampe am Schreibtisch für eine Weile über die Runden.
Es ist ganz aktuell auch eine Zeit, in der ich meine Meditationspraxis wieder mehr mit Leben fülle, sie wieder aktiver lebe und erlebe. Was mir dabei ein ums andere Mal hilft, ist das Wissen um meine Selbstwirksamkeit, also die Gewissheit, dass ich selbst etwas verändern kann – dass ich aktiv die Beschaffenheit meines Gehirns beeinflussen, ja sozusagen gestalten kann. In seinem wunderbaren Buch Zen und die Kunst der Vogelbeobachtung schreibt Arnulf Conradi: „Es scheint so, als würden die ’neuronalen Pfade‘ im Gehirn durch die Meditation verändert. Das obsessive, selbstquälerische Denken, die ständige Beschäftigung mit Vergangenem und Zukünftigem, mit Minderwertigkeitsgefühlen und überzogener Selbstkritik, wird zurückgedrängt zugunsten einer Hinwendung zur Gegenwart, zum Erleben und zur Aufmerksamkeit anderen gegenüber. Das ist eine existenzielle Wende, die das Leben vieler Menschen ändern kann.“
Mein Leben hat durch die Meditationspraxis definitiv eine solche existenzielle Wende erfahren. Und zwar nicht im Großen (ok, doch, das auch), sondern vor allem im Kleinen: in vielen einzelnen Momenten. Über die Jahre ist die Erkenntnis tief in mich hineingewachsen, dass, egal was ich tue, das Leben immer genau jetzt ist – nicht gestern, nicht in fünf Minuten oder morgen, sondern jetzt. Leben ist jetzt. In dem Moment, wo mir das bewusst ist, verändert sich etwas in mir. (Ich vermute, das ist es, was Ralf Hanke meint, wenn er schreibt: „Achtsamkeit verbessert die Qualität der Dinge.“) Seit ich das verstanden habe, ist vieles ein bisschen einfacher geworden.
Am Dienstag 22.9. startet mein nächster MBSR-8-Wochen-Kurs in Neukölln. Es gibt noch drei freie Plätze. Auch Wiederholer sind übrigens herzlich willkommen 😉 Bei Interesse meldet euch!
Ich wünsche euch einen sanften Abschied vom Sommer und einen leuchtenden Herbst.
Herzliche Grüße zu euch,
Suse
